Der bemerkenswerteste Lebensraum, der auch das Schutzziel des Naturschutzgebiets ausmacht, ist zweifellos der Rheinauenwald. Er bietet ideale Verhältnisse für das Wachstum der Pflanzen und wird aufgrund der Dichte der Baumschicht und der vielen Lianen „Galeriewald“ genannt.

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Auenwald

Die Dynamik eines Waldes beginnt mit der Wiederbesiedlung von durch Hochwasser entstandenen Rohböden: Wenn die Entwicklung störungslos verläuft, werden die offenen Lebensräume nach und nach vom Wald verdrängt. Der Wald besteht gleichzeitig aus allen aufeinanderfolgenden Sukzessionsstadien. Der Besucher kann daher im Rohrschollen sowohl das Pionierstadium, auch Weichholzaue genannt, wie auch das Endstadium, die Hartholzaue sowie den Mischwald, das Übergangstadium zwischen den beiden vorhergenannten, beobachten:

Die Weichholzaue ist das Pionierstadium der Walddynamik und besteht aus Weiden und Pappeln. Sie ist an ihrer typischen grau-blauen Färbung erkennbar, die auf die zahlreichen Silber- und Lavendelweiden zurückzuführen ist.

Da es sich um lichtbedürftige Pflanzen handelt, siedeln sich diese Bäume auf durch Hochwasser entstandenen, kahlen Stellen an: entlang von Gewässern, auf neu entstandenen Kiesbänken, auf Windwürfen im Wald. Durch die Kanalisierung des Rheins sind die Hochwasser heute vollständig unter menschlicher Kontrolle. Heute findet man die Weichholzaue nur noch selten auf der Rheininsel, da dort seit den 70er Jahren keine Überschwemmungen mehr die Landschaft verändert haben. Man findet diesen typischen Lebensraum noch auf der Höhe des alten Parkplatzes, einer Stelle, die stark durch den Menschen zerstört wurde. Seit ungefähr zehn Jahren setzt sich die Natur wieder durch, Bäume besiedeln wieder das Gebiet und bilden eine Weichholzaue. Die letzten Überschwemmungen haben die Ufer des Bauerngrundwassers kahl gelegt, und sind daher ebenfalls für diesen Biotoptyp geeignet.

Der Mischwald ist ein reifer Weiden-Pappelwald, der teilweise schon durch Arten der Hartholzaue (Eiche, Esche) verdrängt wurde. Er macht einen großen Teil des Walds entlang des Gewässers im Norden des Rohrschollens aus und bildet den Übergang zwischen der entlang des Gießens vorkommenden Weichholzaue und der Hartholzaue.

Die Hartholzaue bedeckt ungefähr die Hälfte der Insel und bildet die letzte Entwicklungsstufe: Sie ist das Endstadium des Rheinauenwalds. In ihrem tiefsten Inneren hat der Mensch nur wenig eingegriffen. Dort herrscht der Eichenwald mit Ulmen und Eschen vor. Durch seine üppige Vegetation, die zahlreichen Lianen (Hopfen, Waldrebe …) und den Bäumen mit beeindruckender Größe wird er gerne mit einem tropischen Regenwald verglichen.

Wissenschaftliche Begleitung

Die spontane Dynamik der Auenwälder des Rohrschollens wird langfristig beobachtet. Dieses Monitoring wird gemäß einem vom Netzwerk der französischen Naturschutzgebiete aufgestellten, strengen und standardisierten Protokoll zum Monitoring von Naturschutzgebieten an Flussläufen alle 10 Jahre durchgeführt. Dies ermöglicht einen Vergleich zwischen den verschiedenen Gebieten.

Ziel ist eine Beschreibung des aktuellen Zustands der Auenwälder sowie die langfristige Evaluierung der Dynamik. Dazu wurden über das gesamte Waldgebiet Stichprobenflächen ausgewiesen.

Eine Stichprobenfläche ist eine genau abgegrenzte Fläche innerhalb derer Vegetationserhebungen durchgeführt werden. Die auf lange Dauer angelegten Stichprobenflächen ermöglichen ein langfristiges Monitoring der Vegetation. Die Größe und Form der Flächen ist abhängig von dem untersuchten Objekt.

Für jede Stichprobenfläche werden Daten zu den dort vorkommenden Bäumen (Baumart, Durchmesser, Anwesenheit von Hohlräumen, Gesundheitszustand, …) erhoben. Des Weiteren werden die Arten der Krautschicht ermittelt und mithilfe eines Erdbohrers wird eine Bodenprobe entnommen. Dieses Monitoring ermöglicht dem Schutzgebietsbetreuer, die Weiterentwicklung des Walds und seines Gesundheitszustands besser zu verstehen.